Mittlerweile gibt es auch im Wald vielerorts kleinere Stillgewässer, die nicht nur für den Naturschutz als Biotope einen großen Wert besitzen. Auch als sogenannte Rückhaltebecken für Starkregenereignisse erfüllen sie einen guten Zweck, denn sie halten das Wasser länger im Bestand. Das wertvolle Nass fließt nicht so schnell über Bäche und Flüsse oberirdisch wieder ab.
Ein Tümpel ist ein Eldorado für Amphibien. Ein kleiner Gehölzstreifen, ein paar Wasserpflanzen, eine Flachwasserzone und schon ist das Paradies perfekt. Die wechselwarmen Tiere sind aufgrund ihrer Lebensweise Bewohner verschiedener Biotope: Sie brauchen das Wasser, aber auch das Land. Ei- und Larvenstadien sämtlicher heimischer Amphibien – die Erdkröte ausgenommen – finden im Wasser statt. Aber hier lauert auch die größte Gefahr. Denn wenn ein Tümpel mit Fischen besetzt wird, haben die Amphibien keine Chance mehr. Binnen weniger Jahre verschwindet jeglicher Amphibienbesatz aus Tümpeln, da sie schlichtweg von den Fischen aufgefressen werden.
Noch nicht gefährdet: Der Feuersalamander kommt in heimischen Wäldern noch oft vor, steht aber unter dem besonderen Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes. FOTO: S.SCHEMMANN
Gefahr durch Fische
In diesem Zusammenhang muss das oft wiederholte Märchen von den Friedfischen und den Raubfischen angesprochen werden. Beide Begriffe entstammen dem Sprachgebrauch der Angler und beziehen sich zuerst auf die Wahl des Angelköders. Sie haben aber keine fachliche Relevanz für die Ernährung von Fischarten. Tatsächlich fressen nahezu alle Fische die Jugendstadien der einheimischen Lurche sehr gerne. Es gibt in der heimischen Fischfauna nur
einen spezialisierten „Veganer“, das ist die recht seltene Fischart Nase. Ein weiteres Märchen
Enten übertragen keine Goldfische
stellt die Geschichte dar, dass mit Wasservögeln in kürzester Zeit in neu angelegten Stillgewässern Fische eingeschleppt werden. Insbesondere „fliegen“ hier ganz besonders gerne Goldfische ein und die als Überträger in Frage kommenden Enten verfügen fast immer über PKW, Eimer und Gummistiefel. Leider werden zuweilen
angelegte Kleingewässer auch gern mit Fischen besetzt, damit etwas „darin lebt“ und auch der Eisvogel eine gefüllte Futterschüssel vorfindet. Von den 18 hessischen Amphibienarten sind 13 in ihrem Bestand bedroht oder erscheinen in der sogenannten Vorwarnliste. Lediglich die Arten Erdkröte, Teichfrosch, Bergmolch, Teichmolch und Feuersalamander gelten als derzeit noch nicht gefährdet, stehen aber unter dem besonderen Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes. In Hessen ist der Moorfrosch vom Aussterben bedroht. Als stark gefährdet gelten beispielsweise der Europäische Laubfrosch, die Geburtshelferkröte und die Gelbbauchunke.
Auf der Vorwarnliste finden sich die Arten Fadenmolch, Kammmolch, Grasfrosch, Seefrosch und Springfrosch. Feuersalamander, Erdkröte, Grasfrosch, Bergmolch, Fadenmolch und Teichmolch sind Amphibienarten, die regelmäßig in den von HessenForst betreuten Wäldern anzutreffen sind, denn diese Arten besitzen auch eine gewisse Gehölzbindung. In Sonderstandorten wie Steinbrüchen und Brachestrukturen leben in Hessen die Amphibienarten Gelbbauchunke, Kreuzkröte, Geburtshelferkröte oder Wechselkröte. Die erstgenannten Arten sind hessenweit verbreitet und können daher in allen Waldgebieten vorkommen. Naturschutzfachlich geeignete Gewässer müssen stets neu angelegt, gepflegt und fischfrei erhalten werden. HessenForst setzt sich daher für die Anlage von Wasserrückhaltebecken ein und achtet bei der Pflege der Wälder auch auf die Amphibien, zum Beispiel durch Vorsicht bei der Grabenräumung und durch das Freischneiden von Stillgewässern.
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